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Die wundersame Schustersfrau

                                                                       von Federico Garcia Lorca

Übersetzung: Enrique Beck

Aufführungsrechte beim Verlag

Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, Berlin

Bilder von Michael Langenbrink von der Aufführung am 23.Juni 2012
http://www.flickr.com/photos/80466506@N07/sets/72157630256248586/


• Bilder gibt es hier





Ein älterer Mann und eine junge Frau. Verheiratet! Das hier Streit und Zänkerei vorprogrammiert sind, verwundert nicht. Der Geschlechterkampf in seiner intimsten Form der Auseinandersetzung nimmt in diesem Werk von Lorca seinen zwangsläufigen Verlauf: Eine junge Frau, die "das Leben noch vor sich hat" und der ältere Mann, der sich dieselbige "zur Frau genommen hat!" 


     

                                                                                                                                                                Probenphoto: ©ralfmelzow

Zum Stück:

Sie: ungebremst, vorwurfsvoll, sensibel, zärtlich, aufbrausend, ungestüm, sanft usw. Er: ruhig, geduldig, besonnen, weise - Doch irgendwann reicht es dem Herrn Schuster: Er geht - ohne Abschied zu nehmen - davon.
Unter dem Gerede der "freundlichen Nachbarinnen", die großen Anteil an der vergifteten häuslichen Atmosphäre haben, und dem zunehmenden Druck der Umgebung in Form von aufdringlichen Freiern, geht in der spätpubertierenden Schustersfrau eine denkwürdige Metamorphose vor sich. Letztendlich verhilft ihr die bürgerliche Gesellschaft, ohne gerade das wirklich zu wollen, eine klare Kontur zu entwickeln.
Federico García Lorca (1898-1936) zählt zu den bedeutendsten spanischen Dichtern des 20. Jahrhunderts. Der Sohn eines andalusischen Großbauern studierte in Grenada und Madrid Philosophie, Rechtswissenschaft und Literatur. In bürgerlich konservativen Kreisen heftig kritisiert, wird García Lorca im August 1936 von den Falangisten verhaftet und in der Nähe von Viznar (Granada) ermordet.  Auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft um 1930 geschrieben und in Madrid selbst inszeniert, kommt das Schauspiel als zunächst komödienhaft anmutendes Stück daher, dass aus den Tiefgründigkeiten der Beziehungen schöpft und der Enge der Bürgerlichkeit zu entfliehen sucht.
Ein außergewöhnliches Stück mit den bekannten Themen um unerfüllte Liebe, Treue und die Sehnsucht nach Freiheit. Nicht nur in der Beziehung. Kann es da zu einem guten Ende kommen?! Sehen Sie selbst!
Es spielen: Petra Ebbert, Christiane Leiting, Heike Mecking, Helene Krüger, Hiltraud Ykelen, (Nachbarinnen)

Andreas Höch, (Schuster)

Eileen Hintenberger, Greta Teschlade, (Engelchen)

Conny Meckelholt, (Schustersfrau)

Reinhard Schlusemann, (Don Amsel)

Maik Weeling, (Bursche mit Schärpe)

Ralf Wanders (Bürgermeister)
Bühne: Ralf Melzow
Bauten: Daniel Müthing
Technik: Ralf Melzow
Regieassistenz: Birgit Wiemann
Regie: Ralf Melzow


Hier die Kritik von MICHAEL LANGENBRINK im Bocholter Report vom 27.6.2012

Wundersame Sidekicks

„Schustersfrau“ der Bocholter Bühne


Bocholt. In einem kleinen spanischen Dorf, etwa in den 1920/30-er Jahren, heiratet eine junge Frau den wesentlich älteren Dorfschuster. Doch da es altersbedingt um die Standhaftigkeit des Schusters nicht mehr so dolle bestellt ist und die junge Frau sich neben Hausputz und Küche noch mehr vom Leben erhofft, kommt es zum alles entscheidenden Streit zwischen dem ungleichen Ehepaar. Mit dem Resultat, dass der Schuster, der sich nach seiner gewohnten Ruhe sehnt, in einem unbeobachteten Moment Reißaus nimmt und seine junge Frau mit den lästernden Mäulern der Nachbarinnen allein lässt. Die junge Frau macht aus der Schusterei eine Gaststätte und verdingt sich als Wirtin. Als zwar vom Ehemann verschmähte doch bildhübsche junge Frau, kann sie sich vor Verehrern kaum retten. Ja selbst der Bürgermeister, der sich damit rühmt, bereits vierfacher Witwer zu sein, macht ihr den Hof. Doch die junge Frau bleibt standhaft, denn sie ist immer noch verheiratet. Bis eines Tages ein Reisender auftaucht.

Interessante Sidekicks

Auch wenn die Geschichte, die Lorca, einer der bedeutensten spanischen Dichter des 20. Jahrhunderts, erzählt, durchaus vorhersehbar ist, so fasziniert sie doch durch die Wechselbäder der Gefühle, die die einzelnen Charaktere durchlaufen. Ralf Melzow inszenierte das Stück für die Bocholter Bühne mit interessanten Sideplays.

So haben die Nachbarinnen in Lorcas Originalstück eine eher nebensächliche Bedeutung, werden in Melzows Inszenierung jedoch immer wieder als Sidekick eingesetzt.

Aus Sicht des Zuschauers passiert also immer irgendetwas. Auf oder neben der Bühne. Interessant ist auch die Umbesetzung des Knaben, der im Original Vertrauter und Freund der Schustersfrau ist.

Brilliant: Eileen Hintenberger und Greta Teschlade

Dieser wird bei der Bocholter Bühne ersetzt durch zwei „Engelchen“, brilliant gespielt von Eileen Hintenberger und Greta Teschlade. Die beiden jungen Damen, die Melzow von den Bobbies in das Ensemble genommen hat, müssen, bis auf wenige Ausnahmen, über die gesamte Länge des Stückes ihren Text synchron sprechen. Und das machen sie mit einer Präzision, die nicht nur sicherstellt, dass jedes Wort klar verständlich ist, sondern den Zuschauer über die gesamte Länge des Theaterstücks fasziniert.

Vom Mädchen bis zur Furie

Ebenso brilliert Conny Meckelholt in der vielschichtigen Rolle der Schustersfrau. Von mädchenhafter Unschuld, unzufriedener Hausfrau, liebender Freundin der „Engelchen“ bis zur rasenden Furie reicht das Spektrum der Eigenschaften, die Meckelholt glaubhaft und mit viel Leidenschaft auf die Bühne bringt. Als lüsterner Vamp verschlägt es sie sogar in die Reihen des Publikums. Ein Kompliment auch an Ralf Wanders, der den Bürgermeister als „alten Bock“ herrlich böse und arrogant überheblich verkörpert.

„Statt des Knaben zwei Mädchen einzusetzen erschien mir interessanter. Auch wollte ich die Nachbarinnen stärker herausarbeiten“, erklärt Melzow. Mission gelungen. (...) Minutenlanger Applaus war dann auch der verdiente Lohn für die Schauspieler der Bocholter Bühne und nicht zuletzt für Regisseur Ralf Melzow.


Zuschauerstimmen: "Wunderschöne Bilder!" "Es hat sich richtig gelohnt anzureisen" "Traumhafte Bilder" "Super Schauspieler!" "Poetisch und realistisch zugleich" "...entspannt spannend!" "Beeindruckend fanden wir die Schustersfrau und die Engelchen!" "Die Nachbarinnen waren einfach herrlich anzusehen und zu hören!"
































































Besprechung von Kristina Wiegel im BBV: