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Oh Gottogott.

Ein weiteres Jahr neigt sich seinem Ende zu.

Ein Jahr wie jedes Jahr, denn das Jahr ändert sich nie - nur der Inhalt eines Jahres.

Und der Zug fährt immer weiter in dieselbe Richtung.

Kamine, Massentierhaltung, SUV`s und Diesel. Benziner und der Katalysator, der viel zu spät einsetzt.  Glyphosat, damit das Mastvieh fressen kann. Profitgier statt Grundeinkommen. Umweltbewusstsein statt Gier und Neid und Hass. Allerlei Unerfreuliches in einer wundervollen Welt, die leider besetzt ist von oftmals egoistischen Kindern in allen Altersgruppen der menschlichen Rasse in allen nur denkbaren Funktionen und Ämtern. Erwachsen werden und handeln ist eben doch recht schwierig und unser Gehirn macht eben doch mit uns, was es will.

Es gibt nur einen Ausweg: Lächeln oder laut Lachen über diesen Wahnsinn.

Das ist der wahre Grund, warum „Die einzig wahre Weihnachtsgeschichte“ all jährlich von Bocholter Männern im Freien Kulturort Alte Molkerei aufgeführt wird.

Das Lachen des Publikums ist wie ein warmer Regen für die Schauspieler, und wenn sich dann ein einzelnes Lachen spitz und hell über das Grundamusement erhebt, förmlich erstrahlt, dann steckt das die anderen ZuschauerInnen an und in diesem Gegluckse und dieser Fröhlichkeit frohlocken die Spieler. Sie baden sich in dieser Heiterkeit, die sie mit Absurditäten erzeugen, lassen sich gar manchmal mit anstecken, schneiden sich heimlich Grimassen zu und versuchen sich und die Mitspieler und damit auch das Publikum zu überraschen.

Diese Authentizität ist herrlich, denn sie haben Spaß, diese erwachsenen Menschenkinder und auch sie vergessen für die Dauer des Abends den Alltag und seine Sorgen. So soll Theater sein. Stimmungen, Atmosphären, Gefühle teilen und das weitab und fern von jeder Routine.

So ist es nicht verwunderlich, dass Zuschauer oft fragen, ob DAS denn dasselbe Stück gewesen sei, wie vor zwei, drei Jahren. Ja, ist es, lautet die stereotype Antwort. Allein die Präsenz der Spieler und die Veränderung des Zuschauers führt zu dieser Frage und das Erstaunen ist im Blick des Fragenden zu erkennen.

Denn es ist wie jedes Jahr.

Die Geschichte beginnt mit dem einsamen Heinrich Brömmel (Jens Habers), der vergeblich auf die Ankunft seiner Kollegen wartet und sich bemüht, die Zeit zu überbrücken. 

Die zwei Mitstreiter trudeln nach und nach ein und nach einigen kleinen Streitereien und etlichen Versöhnungen beginnt Kurt Schmelting (Phillip Küper) endlich mit dem Vortrag der Weihnachtsgeschichte. Jedoch, es erweist sich nicht alles als richtig, was da in der Bibel steht. Jedenfalls weiß Herbert Kämper (Christian Schmeink) immer einiges besser und so beginnen sie ständig wieder von vorn und starten im Verlauf des Abends sogar bei den Eltern Marias, die ja auch nicht ganz unwichtig sind bei der Geburt ihres Enkels.

Jeder der drei weiß etwas anderes und kann das auch bibelfest belegen. Ständig werden kleine Nickeligkeiten ausgetauscht, neue Ideen eingebracht und ab einem bestimmten Punkt kann der Zuschauer nicht anders: Er wird abhängig, geradezu süchtig nach dem Ulk dieser nudeligen Schauspieler.

Und so entsteht mit Hilfe der süchtigen Zuschauer die „einzig wahre“ Weihnachtsgeschichte langsam vor deren Augen. Auf nicht uncharmante Weise bekommt so der Zuschauer eine gehörige Portion Bildung mit auf den Weg. 

Die drei Ritter der wahren Geschichte sind am Ende auch stolz, es gemeinsam mit den Zuschauern geschafft zu haben.

Die Urfassung betrug ursprünglich 1:15h. Das war den Spielern zu wenig und so verlängerten sie das Stück auf 1:45h. Da Aktuelles aus Politik, Wirtschaft und Bocholt mit einfließen könnten, ist letztere Angabe ohne Gewähr.